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Founder Led Ads: Wann es sich lohnt, Gesicht zu zeigen

  • Autorenbild: Sophia von Buchwaldt
    Sophia von Buchwaldt
  • vor 1 Tag
  • 6 Min. Lesezeit

“Dafür stehe ich mit meinem Namen”. Seit 1991 gehört der Satz zur Familie Hipp und ihrer erfolgreichen Marke, die bereits damals ein Zeichen setzte. Heute fällt diese clevere, authentische und zugleich mutige Strategie unter den Oberbegriff “Founder Led Marketing”. Mit Founder Led Ads auf sozialen Plattformen wie LinkedIn und Instagram werden nicht mehr nur Promis und Influencer zu Marken: Marken machen Menschen zu Influencern. Wie, verraten wir Ihnen hier.

Inhaltsverzeichnis:



Founder Led Marketing: Authentizität statt Inszenierung


Das größte Problem von Marketing heutzutage: Werbung verliert an Glaubwürdigkeit. Laut dem State of Social 2026 Report von Brandwatch sind über 54% aller Ad-bezogenen Online-Gespräche negativ konnotiert. Der Begriff „Deinfluencing" – also das aktive Abraten vom Kauf – stieg 2025 um 79% in der Online-Erwähnung an. Was sich Konsumenten wünschen, sind Transparenz und Authentizität: Wer steckt hinter diesem Produkt? Warum wurde es entwickelt? Beim Founder Led Marketing antworten Gründer und Chefs selbst auf diese Fragen. Und das am besten unscripted, in eigenen Worten und ohne riesige Produktion im Hintergrund.



Was sind Founder Led Ads? Die einzig wahren Markenbotschafter


Marken initiieren laut Brandwatch weniger als 1% aller markenrelevanten Gespräche im Netz. Genau dort setzen Founder Led Ads an. Das sind Werbevideos oder -Creatives, in denen diejenigen mit der größten Verantwortung (Gründer, Chefs, Vorgesetzte) selbst als Sprecher und Gesicht auftreten. Sie erklären beispielsweise das Produkt aus der Ich-Perspektive, teilen die Entstehungsgeschichte der Marke und sprechen direkt in die Kamera. So gewinnt die Marke an Persönlichkeit – und das oft mehr, als wenn Promis, Influencer oder Schauspieler in Hochglanz-Produktionen auftreten oder die Marke als eine von vielen auf ihren Kanälen promoten.


Das Erfolgskonzept: Nahbarkeit. ”Uncut, unscripted, understated”


Der entscheidende Unterschied zwischen einem hochglanzpolierten Influencer Deal und einem echten Founder-Auftritt? Bei letzterem ist die Authentizität keine Inszenierung – sie ist strukturell bedingt. Der Gründer ist das Unternehmen. Er spricht nicht für ein Produkt, das ihm jemand zugeschickt hat; er spricht über etwas, das er selbst aufgebaut hat. Diese Kongruenz zwischen Person und Marke ist für Konsumenten spürbar.


Warum weniger Produktion oft mehr Wirkung erzielt


Das Interessante: Die Produktionsqualität spielt dabei eine untergeordnete Rolle – manchmal sogar eine kontraproduktive. Philip Hitschler-Becker, CEO von Hitschies, erklärt es selbst im DMEXCO-Podcast: „Instagram, LinkedIn, TikTok sind wunderbare Kanäle, die nichts kosten, außer Zeit, Engagement und Kreativität. Menschen folgen Menschen. Menschen wollen nichts mit Marken, sondern mit Personenmarken zu tun haben". Ein selbstgedrehtes Handy-Video mit echter Emotion schlägt das hochproduzierte Studio-Creative – weil es sich anfühlt wie eine Nachricht von jemandem, den man kennt, nicht wie ein Werbeblock.



Nils Lehnhardt – Senior SEA & Paid Social Media Manager
Nils Lehnhardt – Senior SEA & Paid Social Media Manager

“Founder Led Ads benötigt keine Creator, extra Shootings oder einen langen Freigabeprozess – ein Handy und etwas Zeit reichen vollkommen aus. Allgemein kann es bei Social Ads sinnvoll sein, sich nicht auf hochwertige Produktionen, sondern auf Lo-Fi ‘ish Content zu fokussieren, da man nicht nur mit anderen Ads, sondern auch mit dem nativen Content um Aufmerksamkeit konkurriert. Ein nativer Look der Ads kann hier sehr dienlich sein, die User zu catchen, ehe man sie über die weitere Ad an der Geschichte der Brand teilhaben lässt.”



Parasoziale Bindung: Wenn Vertrautheit zu Kaufbereitschaft wird


Ähnlich wie beim Influencer-Marketing mit UGC, Live Shopping Videos und Co. basiert Founder Led Marketing auf einer parasozialen Bindung. Konsumenten können dabei eine echte emotionale Verbindung aufbauen, obwohl die Beziehung nur in eine Richtung verläuft. Je authentischer ein Founder auftritt, desto stärker wird die Bindung:


  • Die regelmäßige, persönliche Präsenz auf einem Kanal ist wichtiger als sporadische, hochproduzierte Auftritte.


  • Eine offene Kommunikation über die eigenen Rückschläge oder Unsicherheiten verstärkt die parasoziale Bindung stärker als reine Erfolgsgeschichten.


  • Je konsistenter die Person und die Marke in ihrer Sprache, ihren Werten und ihrem Auftritt übereinstimmen, desto tragfähiger ist die Bindung zur Community.


OACE-Gründer Jan Kraume zeigt, wie dieser Mechanismus in der Praxis aussieht: Er erzählte auf Instagram offen von seinem Studienabbruch 2019, einem gescheiterten ersten Startup-Versuch und dem Neustart, aus dem OACE entstanden ist. Heute erreicht die Marke über eine Million Menschen via Social Media, bedient mehr als 500.000 Kundinnen und Kunden jährlich und erzielt einen Umsatz im mittleren achtstelligen Bereich – aufgebaut nicht über ein Werbebudget, sondern über eine Community, die die Gründungsgeschichte als ihre eigene erlebt.



(Hook-)Frameworks und Best Practices für Founder Led Marketing


Ob erlebte Niederlage, echter Erfolg oder ein Blick hinter die Kulissen: Founder Led Ads brauchen eine Dramaturgie, die auf Social Media bereits in den ersten Sekunden spürbar sein muss. Denn wer keinen Scroll-Stopp erreicht, verliert die Aufmerksamkeit endgültig. TikTok-Ads mit starkem Creator-Hook erzielen laut Plattformdaten eine bis zu 70% höhere Click-Through-Rate. Dabei basieren die erfolgreichsten Hooks auf den immer gleichen Frameworks.


Vom persönlichen Problem zur Lösung für alle


Das Problem-Hook-Format baut automatisch eine Erzählspannung auf und versetzt den Viewer in eine Erwartungshaltung, die aufgelöst werden will. Der Grundgedanke: Der Founder beschreibt ein Problem aus der eigenen Erfahrung – und das Produkt ist die Antwort darauf. Kim Kardashian nutzte diesen Mechanismus beispielsweise beim SKIMS-Launch 2019: Die Origin Story – keine passende Shapewear zu finden – war gleichzeitig der erste Hook und der Kern der Marken-DNA. Das Problem war real, die Person dahinter bekannt, die Lösung konkret.



Storytime: Der Blick hinter die Kulissen


Das Story-Hook-Format funktioniert, weil es die Logik von organischem Content imitiert und dadurch den typischen Anti-Werbung-Reflex von Nutzern umgeht. Ob organisch gepostet oder als Anzeige aufgesetzt: Es wirkt wie eine persönliche Erzählung eines Freundes. In den ersten Sekunden wird diese mit einer besonders emotionalen oder überraschenden Aussage angeteasert, um Aufmerksamkeit zu erregen. Jan Kraume setzt diese Struktur auf Instagram konsequent ein – und erzeugt damit organische Reichweite, die sich nahtlos in bezahlte Formate übertragen lässt.


Das Versprechen, für das es sich lohnt, dranzubleiben


Aufmerksamkeit wecken, eine klare Erwartung formulieren, einlösen – so funktioniert das Hook-Promise-Payoff-Framework. Das nutzte Philip Hitschler-Becker beispielsweise, indem er den Trend mit den gefrorenen hitschies Drachenzungen selbst aufgriff und nachmachte. “Ihr seid vollkommen verrückt”. Im Video berichtet der CEO zunächst davon, dass Drachenzungen fast überall ausverkauft seien, testet die gefrorene Variante dann selbst im Büro und zeigt, wie verschiedene Varianten ganz einfach nachzumachen sind.



Organic-First: Testen und Community aufbauen


Was alle drei Frameworks verbindet: Sie beginnen organisch. Der stärkste Beitrag, der ohne Werbebudget resoniert hat, liefert den belastbarsten Beweis dafür, dass eine Botschaft wirklich ankommt – bevor (viel) Geld investiert wird. Hailey Bieber wendet dieses Prinzip bei Rhode an: Ihre Morgenroutinen, Produkt-Einblicke und persönlichen Reaktionen auf Community-Feedback erscheinen organisch auf Instagram und TikTok. So lassen sich Paid Social Inhalte auch einfach testen – und was organisches Engagement erzeugt, kann anschließend als Ad skaliert werden. 




Nils Lehnhardt – Senior SEA & Paid Social Media Manager
Nils Lehnhardt – Senior SEA & Paid Social Media Manager

“Founder Led Ads sind besonders auf Meta ein enormer Trust-Faktor. Niemand kann die Story und die Mission der Brand so plausibel rüberbringen, wie der Gründer oder die Gründerin. Das schafft eine Verbindung zu den Usern und zeigt auf, wieso der Brand vertraut werden kann – der direkte Produktkauf rückt in den Hintergrund und als User wirst du Part of the Journey.”






Eignung und Skalierung: Potenzial und Grenzen von Founder Led Ads


Founder Led Ads entfalten ihre Wirkung vor allem dort, wo die Kaufentscheidung emotional ist oder die persönliche Kompetenz oder Expertise des Anbieters direkt relevant für das Produkt ist. Das trifft vor allem auf drei Kontexte zu:


  • B2C-Märkte mit Lifestyle-Bezug: Beauty, Fashion, Food, Sports. Rhode, SKIMS, Hitschies und OACE zeigen, wie eine Gründerfigur das leisten kann, wofür andere Marken Millionenbudgets einsetzen.

  • B2B-Märkte mit Expertise-Nachweis: In Coaching, Beratung und SaaS ist die Gründerperson oft das stärkste Differenzierungsmerkmal. Wer kauft, kauft nicht nur ein Produkt – sondern das Vertrauen in eine Person oder in ein Team.

  • Frühe Wachstumsphasen: Wenn eine Marke noch kein breites Markenbewusstsein hat, kann ein Gründer als Gesicht schneller Glaubwürdigkeit aufbauen, als es klassische Anzeigen könnten.


Gleichzeitig sind die Grenzen des Formats die logische Konsequenz desselben Mechanismus:


  • Personenabhängigkeit: Kritik am Gründer überträgt sich direkt auf die Marke – je konsequenter das Format betrieben wird, desto stärker. Ebenso wichtig ist, dass der Gründer seine Rolle gerne und glaubwürdig spielen kann.

  • Regulierte Industrien: In Bereichen wie Finanzen, Pharma oder Versicherungen schränken Compliance-Anforderungen persönliche Auftritte stark ein.

  • Kollektive B2B-Entscheidungen: Wenn mehrere Stakeholder beteiligt sind, reicht eine Gründerbindung selten aus, um eine Entscheidung zu tragen.

  • Ressourcenaufwand: Philip Hitschler-Becker investiert ca. zwei volle Arbeitstage pro Woche in seinen Social-Media-Auftritt. Das ist eine strategische Entscheidung, die nicht jede Wachstumsphase erlaubt.


Was alle Beispiele in diesem Beitrag verbindet: eine reale Person, eine glaubwürdige Geschichte, ein konsistenter Auftritt. Founder Led Marketing ist dabei kein Ersatz für einen durchdachten Kanal-Mix – sondern ein besonders effizienter Einstieg in ihn.



Boris Eckart – Teamlead Multimedia Content
Boris Eckart – Teamlead Multimedia Content

“Founder Led Ads können mehr bewirken als jede groß angelegte Marketing-Kampagne mit unvorstellbarem Budget. Der Knackpunkt: Das Ganze muss sitzen, zutiefst glaubhaft sein und organisch wirken. Founder Led Ads stehen und fallen wenig überraschend mit dem Founder bzw. der Person, die in den Fokus rückt – und wie sie wirklich zur Marke oder dem Produkt steht. Wer ein Big-Arch-Burger-Fiasko vermeiden will, sollte das nie vergessen”. 


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